Aus Müll wird Kunst

Der Ingelheimer Künstler Jens Jürgen Huber sammelt Alltagsdinge und formt daraus Kunstobjekte

"Wenn Jens Jürgen Huber am bretonischen Strand oder in den Ingelheimer Weinbergen spazieren geht, fallen ihm viele Dinge auf, die dort nicht hingehören: winzige Plastikteile, Schuhsohlen, Plastikfolien, Draht oder Altmetall. Alles Dinge, die achtlos weggeworfen, von den Gezeiten an die Küste gespült worden sind oder zwischen Rebstöcken und Obstbäumen die Umwelt verschmutzen. Der gebürtige Ingelheimer konnte und wollte dies nicht akzeptieren. Ihm kam die Idee aus den Hinterlassenschaften der Überflussgesellschaft etwas Neues zu formen. So wurde aus dem Müll die Kunst von Jens Jürgen Huber.

Der gebürtige Ingelheimer sieht das Potenzial der Überreste menschlicher Existenz: „Ich will dem Betrachter meiner Werke klar machen, was er dort sieht. Das womit ich die Menschen künstlerisch anspreche, ist zugleich schuld an der Verschmutzung der Umwelt“, betont er. Die Kunst aus weggeworfenen Industrieprodukten ist für ihn Mittel zum Zweck. Die Schönheit seiner Objekte ist zweischneidig: Mit seinen Arbeiten will er auch provozieren, so dass die Zuschauer ergriffen sind und umdenken.

Für ein Objekt aus dem Jahr 2017 fädelte er Schuhsohlen auf, farblich sortiert von hellem Beige bis zum dunklen Braun. Ein Kreis, der sich flexibel verändern lässt, eine eigene Dynamik entwickelt und dadurch eine neue Bedeutung bekommen hat. Huber entzieht durch seine Arbeit den Objekten ihre ursprüngliche Funktion und ordnet ihnen eine neue Wertschätzung zu, ohne dabei jedoch die Problematik des großen Ganzen außer Acht zu lassen.

Fundstücke werden zu Kunstobjekten. Bei Huber sind sie zugleich Protest gegen die Verrohung der Menschen im Umgang mit der Natur. „Mit meinen Werken will ich die Betrachter berühren und wachrütteln. Sie sollen sehen, was mit unserer Umwelt geschieht“, sagt er.

Kunst im Allgemeinen gehört für Huber zum Leben dazu. „Wenn ich irgendwann keinen Müll mehr finden sollte, werde ich andere Ausgangsmaterialien verarbeiten“, erklärt er.

Jens Jürgen Huber ist regelmäßig in der Bretagne und jeden Tag in der rheinhessischen Natur unterwegs. Er sammelt, sortiert und erschafft aus den Fundstücken in seinem Ingelheimer Atelier neue Objekte, die faszinieren und anklagen, um dabei gleichzeitig zu begeistern."

Kerstin Kopp

„Reste von zerstörten Puppen, Spielzeug und Geräten der Zivilisation sind für mich als Material besonders reizvoll. Sie symbolisieren, weggeworfen, beschädigt und vom Zahn der Zeit bearbeitet, in besonderem Maße unsere Wegwerf-Gesellschaft.
Als Zeugen unserer Mentalität stellen sie bildlich dar, dass der gedankenlose Konsum und das unreflektierte Verbrauchen der Ressourcen der Natur nicht nur uns, sondern auch unsere Kinder und Kindeskinder langfristig unumkehrbar schädigt und die Lebensgrundlagen entzieht. Wir sind bereits lange kollektiv auf dem Weg, die Welt, die uns hervorbrachte durch unser Verhalten so zu ändern, dass sie uns irgendwann bizarr und unwirklich vorkommen wird und wir keinen Platz in ihr mehr finden.
Die Evolution wird uns in der von uns veränderten Natur nicht mehr überleben lassen.“
Ulla Ruths

„Wo sind die abgewaschenen Ecken, die fehlenden Teile der Materialien meiner Objekte?
Sie sind längst Teil von uns selbst geworden, zunächst von der Kraft der Naturgewalten bis zur Unsichtbarkeit in den Nanobereich zerkleinert und zerrieben. Wir haben diese Bestandteile mit der Nahrungskette wieder in uns aufgenommen. So gesehen ist jeder von uns bereits mit jedem meiner Werke verbunden und in gewisser Hinsicht auch ein Teil von ihnen.
Die Folgen für uns sind nicht abschätzbar, die Auswirkungen noch nicht erforscht. Und wir beginnen erst langsam zu begreifen, dass hierdurch sehr wohl Folgen für jeden von uns zu erwarten sind.“
Jens J. Huber, 2015 

„Reste von zerstörten Puppen, Spielzeug und Geräten der Zivilisation sind für mich als Material besonders reizvoll. Sie symbolisieren, weggeworfen, beschädigt und vom Zahn der Zeit bearbeitet, in besonderem Maße unsere Wegwerf-Gesellschaft.
Als Zeugen unserer Mentalität stellen sie bildlich dar, dass der gedankenlose Konsum und das unreflektierte Verbrauchen der Ressourcen der Natur nicht nur uns, sondern auch unsere Kinder und Kindeskinder langfristig unumkehrbar schädigt und die Lebensgrundlagen entzieht.
Wir sind bereits lange kollektiv auf dem Weg, die Welt, die uns hervorbrachte durch unser Verhalten so zu ändern, dass sie uns irgendwann bizarr und unwirklich vorkommen wird und wir keinen Platz in ihr mehr finden. Die Evolution wird uns in der von uns veränderten Natur nicht mehr überleben lassen.“
"Moderne Zeit" 2015

"Jesus Christus als Cyborg mit Armprothese und einem Flügel... Die Technik unserer Zeit eröffnet neue, nie gekannte Wege. Gleichzeitig verändert sie dabei das Traditionelle, Ursprüngliche, Natürliche und entstellt es dabei oft. Das Werk ist ein Symbol für die einschneidenden Veränderungen des digitalen Zeitalters, die vor Glauben und Ethik des Menschen keinen Halt machen. Nicht nur reale Dinge ändern sich in rasanter, bisweilen fast unglaublicher Weise, auch die inneren Werte wandeln sich, müssen angepasst und überdacht werden. Vieles, welches das neue Zeitalter hervor bringt, hätte man früher als " Wunder" bezeichnet und heute sind "Wunder" beinahe an der Tagesordnung.
Wir wundern uns nicht mehr, halten vieles für selbstverständlich und verlernen das Nachdenken. Unsere seelische Entwicklung hält nicht mehr Schritt mit dem Fortschritt und es wird immer schwieriger, die "Seele" hinter allem zu finden.
Wissenschaft und Technik verschieben die Grenzen, Grenzen werden nicht mehr als solche wahr genommen. Der seelische Fortschritt, die Bewahrung einer "positiven Menschlichkeit" darf in unserer Zeit nicht vernachlässigt werden und muss genauso
weiter entwickelt werden!"
Jens J. Huber, 2015